Kraftdreikampf

Kniebeugen, Bankdrücken und Kreuzheben - Bausteine des Powerlifings

Der Kraftdreikampf, international auch Powerlifting genannt, ist eine Wettkampfsportart der Schwerathletik bzw. des Kraftsports und setzt sich aus den drei Disziplinen Kniebeugen, Bankdrücken und Kreuzheben (offizielle Reihenfolge) zusammen.

 

Kraftdreikampf ist am ehesten mit dem olympischen Zweikampf beim Gewichtheben (Reißen und Stoßen) vergleichbar. Ziel ist es, größtmögliche Lasten zu bewältigen. Obwohl gute Technik extrem wichtig ist und dieser im Training große Aufmerksamkeit gilt, zählt im Wettkampf nur die Höhe des Gewichtes.

 

Kraftdreikampf im Wettkampf

Die Wettkampfteilnehmer werden in Alters- und Gewichtsklassen eingeteilt. In jeder Disziplin sind ihnen jeweils drei Versuche gestattet. Ein zusätzlicher vierter Versuch konnte in Ausnahmefällen genehmigt werden, wenn es dabei um die Aufstellung eines neuen Rekordes ging. Die im vierten Versuch erbrachte Leistung ging jedoch nicht in die Wettkampfwertung ein. 2007 wurde der vierte Versuch gänzlich abgeschafft, um eine schnellere Durchführung des Wettkampfes zu ermöglichen.

 

Altersklassen

Es gibt folgende Altersklassen: Jugend (14–18 Jahre), Junioren (19–23 Jahre), Aktive (24–39 Jahre), Masters (ab 40 Jahre Masters I, ab 50 Jahre Masters II, ab 60 Jahre Masters III, ab 70 Jahre Masters IV).

 

Im Bundesverband Deutscher Kraftdreikämpfer (BVDK) wird seit 2010 die Altersklasse der Jugendlichen zusätzlich noch in die B-Jugend (14–15 Jahre) und die A-Jugend (16–18 Jahre) unterteilt. Der B-Jugend ist die Nutzung von unterstützender Ausrüstung, sog. Equipments (siehe unten) bei Wettkämpfen nicht gestattet. Lediglich Hebergürtel sowie Handgelenkbandagen und Kniestulpen als Schutz vor Verletzungen der in diesem Alter noch im Wachstum befindlichen Wirbelsäule und Gelenke sind erlaubt.

 

Gewichtsklassen

Es gab bis Ende 2010 folgende Gewichtsklassen bei der IPF:

 

Frauen -48 kg, -52 kg, -56 kg, -60 kg, -67,5 kg, -75 kg, -82,5 kg, -90 kg, +90 kg

 

Männer -56 kg, -60 kg, -67,5 kg, -75 kg, -82,5 kg, -90 kg, -100 kg, -110 kg, -125 kg, +125 kg

 

Für die Altersklassen der Jugend und der Junioren existieren des Weiteren auch die Gewichtsklassen -44 kg (Frauen) und -52 kg (Männer), die 2007 für die anderen Altersklassen auf Grund der mangelnden Besetzung bei Wettkämpfen abgeschafft wurden.

 

Seit 2011 gelten folgende Gewichtsklassen:

 

Frauen bis 43 kg nur Jugend und Junioren, 47 kg, 52 kg, 57 kg, 63 kg, 72 kg, 84 kg, 84 kg +

 

Männer bis 53 kg nur Jugend und Junioren, 59 kg, 66 kg, 74 kg, 83 kg, 93 kg, 105 kg, 120 kg, 120 kg+

 

Zudem wurden neue Weltrekordstandards für jede Gewichtsklasse eingeführt.

 

Die Ausführung der einzelnen Übungen unterliegt einem strengen Reglement. Pro Disziplin hat jeder Athlet drei Versuche, bei denen ein möglichst hohes Gewicht bewältigt werden muss. Von einem Versuch zum nächsten darf das Gewicht nur erhöht bzw. unverändert gelassen werden, nicht aber verringert werden. Die jeweils besten Versuche in allen Disziplinen werden addiert und als Gesamtgewicht notiert. Der Athlet mit dem höchsten Gesamtgewicht (auch »Total« genannt) einer Gewichtsklasse gewinnt die Klasse. Bewältigen zwei oder mehr Athleten dasselbe Gesamtgewicht, so entscheidet das beim Wiegen vor dem Wettkampf ermittelte Körpergewicht über die Platzierung: Der Sportler mit dem niedrigeren Körpergewicht wird in der Wertung vor dem schwereren Athleten platziert. Wird zusätzlich ein Gesamtsieger gekürt, so erfolgt die Kürung auf Basis der Relativpunktewertung (Leistung in Relation zum Körpergewicht nach Wilks).

 

Für die Bewertung der Übungen sind drei Kampfrichter (ein Hauptkampfrichter, zwei Seitenkampfrichter) um die Wettkampfplattform angeordnet. Der Hauptkampfrichter ist unter anderem für die Kommandos (»Beugen«/»Ablegen«, »Start«/»Press«/»Ablegen«, »Ab«) zuständig. Eine Nichtbeachtung dieser Kommandos führt dazu, dass ein Versuch ungültig gewertet wird.

 

Relativpunkte nach Wilks

Die Wilks-Formel – nach dem Australier Robert Wilks – bewertet die Leistung des Athleten in Abhängigkeit seines Körpergewichts und Geschlechtes, aber ohne Altersberücksichtigung. Sieger ist derjenige, der die höchste Punktzahl erreicht. Die Punktzahl ist gleich dem Produkt aus Gewicht und dem Wilks-Koeffizienten. Das Gewicht ist die bewegte Last im Wettkampf, der Wilks-Koeffizient ergibt sich aus der sogenannten Wilks-Tabelle, welche eine Auflistung von Koeffizienten für unterschiedliche Körpergewichte (ab 40,0 kg in Stufen von 100 Gramm) ist. Männer und Frauen haben unterschiedliche Wilks-Koeffizienten. Die IPF veröffentlicht Wilks-Koeffizienten für Körpergewichte ab 40,0 kg bis 150,9 kg bei den Frauen und bis 205,9 kg bei den Männern [2]. Der BVDK hat in seinen »Technischen Regeln im Kraftdreikampf gemäß IPF« (gültig ab Juni 2011, im Kapitel 12.5 Die Wilks-Punkte diese Wilks-Koeffizienten übernommen, dort sind sie als »Punktfaktoren« bezeichnet. Danach gilt: »Die Tabelle ist in zehntel Kilogramm Schritten aufgebaut, so muss unter Umständen interpoliert (gemittelt) werden.«

 

National und international

Der BVDK ist der deutsche Kraftdreikampfverband, der dem DOSB angehört, in Österreich ist es der Österreichische Verband für Kraftdreikampf (ÖVK).

 

Dachverband für das Powerlifting ist die International Powerlifting Federation (IPF).

 

Im Gegensatz zum Gewichtheben ist der Kraftdreikampf keine olympische Disziplin, jedoch ist das Bankdrücken paralympisch (siehe auch Paralympics). Als olympische Alternative für eine Vielzahl von Sportarten, die keinen Platz bei Olympia haben, haben sich die ebenfalls in einem 4-Jahres-Rhythmus stattfindenden World Games etabliert, zu deren Programm auch das Powerlifting gehört, allerdings mit veränderten Gewichtsklassen. Außerdem erfolgt die Ermittlung der Platzierungen bei den World Games anhand der erzielten Relativpunkte.

 

Weiterhin gibt es natürlich auch Landes-, Deutsche/Österreichische, Europa- und Weltmeisterschaften, zudem gibt es in Deutschland Bundesligen und in Österreich den Austria Cup.

 

Frauen haben sich in dem von Männern dominierten Sport inzwischen durchgesetzt und nehmen selbst an internationalen Vergleichen teil.

 

Varianten, Ausrüstung und Hilfsmittel

Zwei Formen des Kraftdreikampfes werden unterschieden:

 

Kraftdreikampf mit unterstützender Ausrüstung (Equipment)

 

Das Equipment besteht aus den folgenden Komponenten (eine maximale Leistungssteigerung durch die Ausrüstung zu bestimmen ist sehr schwierig da dies für jeden Athleten individuell ist und vom Hersteller, richtiger Größe, angepasster Technik, etc. abhängt):

 

Beugeanzug

Bankdrückhemd

Kniebandagen

Kreuzhebeanzug

 

Diese Variante ist in den USA viel stärker verbreitet als außerhalb. Neben der Maximalkraft kommt es für Spitzenleistungen auf gute Ausnutzung der unterstützenden Ausrüstung an, was nicht alle Athleten gleich gut beherrschen.

 

Kraftdreikampf ohne unterstützende Ausrüstung – Raw Powerlifting

 

Bei dieser Variante sind als Ausrüstung nur ein Gürtel, Handgelenksbandagen und Kniemanschetten erlaubt.

 

Alle Varianten und deren Regelungen bezüglich erlaubter und verbotener Techniken und der Ausrüstung und Hilfsmaterialien sind im IPF-Regelwerk behandelt.